Häu­fi­ge Ursa­chen für uner­füll­ten Kin­der­wunsch

Ein uner­füll­ter Kin­der­wunsch betrifft vie­le Paa­re: Etwa jedes sieb­te Paar wird nicht inner­halb eines Jah­res auf natür­li­chem Weg schwan­ger. Die Ursa­chen sind viel­fäl­tig – und sie kön­nen sowohl bei der Frau als auch beim Mann oder bei bei­den gemein­sam lie­gen.
Oft zeigt sich die Situa­ti­on zunächst durch eine aus­blei­ben­de Schwan­ger­schaft trotz regel­mä­ßi­gem Zyklus und unge­schütz­tem Geschlechts­ver­kehr. Wie­der­hol­te erfolg­lo­se Ver­su­che, unkla­re Befun­de oder wider­sprüch­li­che Aus­sa­gen füh­ren nicht sel­ten zu Ver­un­si­che­rung. Gleich­zei­tig stellt sich die Fra­ge, wann der rich­ti­ge Zeit­punkt für eine medi­zi­ni­sche Abklä­rung gekom­men ist und wel­che Unter­su­chun­gen sinn­voll sind.

Für eine fun­dier­te Dia­gnos­tik ist es ent­schei­dend, bei­de Part­ner glei­cher­ma­ßen ein­zu­be­zie­hen. Denn Frucht­bar­keits­stö­run­gen kön­nen unter­schied­li­che Ursa­chen haben – hor­mo­nel­le, funk­tio­nel­le, struk­tu­rel­le oder gene­ti­sche. Im Fol­gen­den fin­den Sie einen Über­blick über mög­li­che Ursa­chen der Unfrucht­bar­keit bei der Frau sowie beim Mann als Grund­la­ge für eine geziel­te wei­ter­füh­ren­de Dia­gnos­tik.

Ursa­chen der Unfrucht­bar­keit

Schwangere Frau nach erfolgreicher PICSI Behandlung
Schwangere Frau nach erfolgreicher PICSI Behandlung

Was kann Ihre Frucht­bar­keit beein­flus­sen?

Hor­mon­stö­run­gen

Stö­run­gen im weib­li­chen Hor­mon­haus­halt kön­nen dazu füh­ren, dass Eizel­len nicht oder nur sel­ten her­an­rei­fen, der Eisprung aus­bleibt oder die Gebär­mut­ter­schleim­haut nicht aus­rei­chend auf eine Ein­nis­tung vor­be­rei­tet ist. Auch ein ver­än­der­ter Zer­vix­sch­leim kann das Auf­stei­gen der Sper­mi­en erschwe­ren. Hin­wei­se sind häu­fig Zyklus­stö­run­gen, unre­gel­mä­ßi­ge oder aus­blei­ben­de Blu­tun­gen sowie Schmier- oder Zwi­schen­blu­tun­gen.

Schild­drü­sen­funk­ti­ons­stö­run­gen

Schild­drü­sen­er­kran­kun­gen beein­flus­sen Zyklus, Frucht­bar­keit und die frü­he Schwan­ger­schaft. Eine Unter­funk­ti­on, häu­fig durch Hash­i­mo­to-Thy­reo­idi­tis bedingt, kann zu ver­län­ger­ten Zyklen, sel­te­nem Eisprung und einem erhöh­ten Fehl­ge­burts­ri­si­ko füh­ren. Auch eine Über­funk­ti­on, etwa bei Mor­bus Base­dow, kann Zyklus­stö­run­gen ver­ur­sa­chen und die Emp­fäng­nis erschwe­ren.

Erhöh­ter Pro­lak­tin­spie­gel (Hyper­pro­lak­tin­ämie)

Pro­lak­tin regu­liert die Milch­bil­dung in der Still­zeit. Ist der Wert außer­halb die­ser Pha­se erhöht, kann der Zyklus gestört sein und der Eisprung aus­blei­ben. Ursa­chen sind unter ande­rem Stress, bestimm­te Medi­ka­men­te, eine Schild­drü­sen­un­ter­funk­ti­on oder ein gut­ar­ti­ger Tumor der Hirn­an­hangs­drü­se.

PCO-Syn­drom

Das PCO-Syn­drom ist eine der häu­figs­ten hor­mo­nel­len Ursa­chen weib­li­cher Unfrucht­bar­keit. Ein Über­schuss männ­li­cher Hor­mo­ne stört die Fol­li­kel­rei­fung und ver­hin­dert häu­fig den Eisprung. Typi­sche Begleit­erschei­nun­gen sind Zyklus­stö­run­gen, Akne, ver­mehr­te Kör­per­be­haa­rung oder Haar­aus­fall. Oft besteht zusätz­lich eine Insu­lin­re­sis­tenz.

Gelb­kör­per­hor­mon­man­gel (Pro­ges­te­ron­man­gel)

Pro­ges­te­ron ist ent­schei­dend für die Vor­be­rei­tung der Gebär­mut­ter­schleim­haut auf die Ein­nis­tung. Ist die zwei­te Zyklus­hälf­te ver­kürzt oder der Pro­ges­te­ron­spie­gel zu nied­rig, kann sich eine befruch­te­te Eizel­le schlech­ter ein­nis­ten. Schmier­blu­tun­gen in der zwei­ten Zyklus­hälf­te oder ver­kürz­te Zyklen kön­nen dar­auf hin­wei­sen.

Eilei­ter­ver­schluss

Die Befruch­tung fin­det meist im Eilei­ter statt. Sind die Eilei­ter ver­klebt, ver­schlos­sen oder ver­wach­sen, kön­nen Eizel­le und Sper­mi­en nicht auf­ein­an­der­tref­fen. Häu­fi­ge Ursa­chen sind frü­he­re Ent­zün­dun­gen, Chla­my­di­en­in­fek­tio­nen, Ope­ra­tio­nen oder Endo­me­trio­se. Beschwer­den feh­len oft, sodass ein Eilei­ter­ver­schluss lan­ge unent­deckt bleibt.

Endo­me­trio­se

Endo­me­trio­se kann die Frucht­bar­keit auf meh­re­ren Ebe­nen beein­träch­ti­gen. Ent­zünd­li­che Ver­än­de­run­gen im Becken­raum kön­nen die Funk­ti­on der Eilei­ter stö­ren, die Eizell­qua­li­tät beein­flus­sen und die Bedin­gun­gen für Befruch­tung und Ein­nis­tung ver­schlech­tern. Die Erkran­kung bleibt häu­fig lan­ge uner­kannt.

Ver­än­de­run­gen der Gebär­mut­ter

Myo­me, Poly­pen oder ange­bo­re­ne Fehl­bil­dun­gen der Gebär­mut­ter kön­nen die Ein­nis­tung eines Embry­os erschwe­ren. Wäh­rend klei­ne Ver­än­de­run­gen oft ohne Ein­fluss blei­ben, kön­nen grö­ße­re oder ungüns­tig gele­ge­ne Befun­de die Schwan­ger­schafts­wahr­schein­lich­keit ver­rin­gern oder das Fehl­ge­burts­ri­si­ko erhö­hen. Je nach Befund ist eine ope­ra­ti­ve Kor­rek­tur mög­lich.

Vor­zei­ti­ge Wech­sel­jah­re

Bei vor­zei­ti­gen Wech­sel­jah­ren ist die Eizell­re­ser­ve bereits vor dem 40. Lebens­jahr deut­lich ver­min­dert oder erschöpft. Dadurch bleibt der Eisprung zuneh­mend aus und die Frucht­bar­keit sinkt stark. Die Dia­gno­se erfolgt häu­fig erst im Rah­men einer Kin­der­wunsch­ab­klä­rung.

Alter und Lebens­stil

Mit zuneh­men­dem Alter nimmt die Qua­li­tät der Eizel­len ab, wodurch die Wahr­schein­lich­keit einer Schwan­ger­schaft sinkt und das Fehl­ge­burts­ri­si­ko steigt. Zusätz­lich kön­nen Rau­chen, Alko­hol, star­kes Über- oder Unter­ge­wicht, inten­si­ver Leis­tungs­sport sowie chro­ni­scher Stress die hor­mo­nel­le Balan­ce und damit die Frucht­bar­keit beein­träch­ti­gen.

Zum Frucht­bar­keits­test für die Frau

Ein­ge­schränk­te Sper­mi­en­qua­li­tät

Für eine erfolg­rei­che Befruch­tung sind aus­rei­chend vie­le, gut beweg­li­che und nor­mal geform­te Sper­mi­en erfor­der­lich. Sind Anzahl (Oli­go­zoo­sper­mie), Beweg­lich­keit (Asthe­no­zoo­sper­mie) oder Form (Tera­to­zoo­sper­mie) ein­ge­schränkt, sinkt die Wahr­schein­lich­keit einer Schwan­ger­schaft.

Infek­tio­nen und Ent­zün­dun­gen

Infek­tio­nen kön­nen die männ­li­che Frucht­bar­keit akut oder dau­er­haft beein­träch­ti­gen. Dazu zäh­len Mumps im Kin­des­al­ter sowie bak­te­ri­el­le oder sexu­ell über­trag­ba­re Infek­tio­nen im Erwach­se­nen­al­ter. Ent­zün­dun­gen von Hoden, Neben­ho­den oder Pro­sta­ta kön­nen die Sper­mi­en­qua­li­tät ver­schlech­tern oder den Sper­mi­en­trans­port stö­ren.

Hoden­hoch­stand (Kryptor­chis­mus)

Bleibt ein Hoden im Kin­des­al­ter außer­halb des Hoden­sacks und wird nicht recht­zei­tig ope­ra­tiv kor­ri­giert, ist er dau­er­haft einer erhöh­ten Tem­pe­ra­tur aus­ge­setzt. Die­se kann die Sper­mi­en­pro­duk­ti­on nach­hal­tig beein­träch­ti­gen und im Erwach­se­nen­al­ter zu einer ein­ge­schränk­ten Frucht­bar­keit füh­ren.

Gestör­ter Sper­mi­en­trans­port

Wer­den aus­rei­chend Sper­mi­en gebil­det, gelan­gen aber nicht ins Eja­ku­lat, liegt häu­fig eine Trans­port­stö­rung vor. Ursa­chen kön­nen ver­schlos­se­ne Samen­lei­ter, frü­he­re Ent­zün­dun­gen, Ope­ra­tio­nen (z. B. Leis­ten­bruch), Ver­let­zun­gen oder ange­bo­re­ne Fehl­bil­dun­gen sein. Auch gene­ti­sche Erkran­kun­gen kön­nen den Trans­port­weg blo­ckie­ren.

Erek­ti­ons­stö­run­gen

Ist kei­ne oder nur sel­ten eine Erek­ti­on mög­lich, kann es schwie­rig sein, regel­mä­ßig Geschlechts­ver­kehr zu haben. Die Ursa­chen für Erek­ti­ons­stö­run­gen sind viel­fäl­tig und rei­chen von orga­ni­schen Erkran­kun­gen bis hin zu psy­chi­schen oder psy­cho­so­ma­ti­schen Fak­to­ren. Eine uro­lo­gi­sche Abklä­rung ist hier­bei der ers­te wich­ti­ge Schritt.

Vari­ko­ze­le (Krampf­ader am Hoden)

Eine Vari­ko­ze­le ist eine Erwei­te­rung der Venen im Bereich des Hodens. Durch die erhöh­te Tem­pe­ra­tur kann die Sper­mi­en­pro­duk­ti­on beein­träch­tigt wer­den. Ob eine ope­ra­ti­ve Behand­lung sinn­voll ist, hängt vom Aus­maß der Ein­schrän­kung im Sper­mio­gramm und der indi­vi­du­el­len Situa­ti­on ab.

Hor­mon­stö­run­gen

Hor­mo­nel­le Erkran­kun­gen kön­nen die Sper­mi­en­bil­dung und den Tes­to­ste­ron­spie­gel beein­flus­sen. Dazu gehö­ren Stö­run­gen der Hirn­an­hangs­drü­se, Schild­drü­sen­er­kran­kun­gen oder ein Pro­lak­ti­nom. Ein hor­mo­nel­les Ungleich­ge­wicht kann sowohl die Sper­mi­en­pro­duk­ti­on als auch die sexu­el­le Funk­ti­on beein­träch­ti­gen.

Gene­ti­sche Ursa­chen

Gene­ti­sche Ver­än­de­run­gen sind eine wich­ti­ge Ursa­che schwe­rer männ­li­cher Unfrucht­bar­keit. Dazu zäh­len das Kline­fel­ter-Syn­drom mit einem zusätz­li­chen X‑Chromosom sowie soge­nann­te AZF-Dele­tio­nen auf dem Y‑Chromosom. Die­se Ver­än­de­run­gen kön­nen zu einer stark ver­min­der­ten oder feh­len­den Sper­mi­en­pro­duk­ti­on füh­ren.

Alter

Auch wenn Män­ner grund­sätz­lich bis ins höhe­re Alter zeu­gungs­fä­hig blei­ben, nimmt die Sper­mi­en­qua­li­tät mit den Jah­ren ab. Die Wahr­schein­lich­keit einer Schwan­ger­schaft kann sin­ken, wäh­rend das Risi­ko gene­ti­scher Ver­än­de­run­gen leicht zunimmt.

Nach Che­mo- oder Strah­len­the­ra­pie

Nach einer Bestrah­lung oder Che­mo­the­ra­pie im Rah­men einer Tumor­er­kran­kung kann die Sper­mi­en­pro­duk­ti­on vor­über­ge­hend oder dau­er­haft beein­träch­tigt sein. Wie stark die Aus­wir­kun­gen sind, hängt unter ande­rem von der Art und Inten­si­tät der Behand­lung ab.

Zum Frucht­bar­keits­test für den Mann
Schwangere Frau nach PRP Behandlung an den Eierstöcken

Fach­kun­di­ge Beglei­tung bei Fra­gen zur Frucht­bar­keit

Ter­min ver­ein­ba­ren
  • Struk­tu­rier­te Ana­ly­se

    Wir unter­su­chen mög­li­che Ursa­chen sys­te­ma­tisch – bei der Frau, beim Mann oder bei bei­den – und berück­sich­ti­gen hor­mo­nel­le, orga­ni­sche und lebens­stil­be­ding­te Fak­to­ren.

  • Kla­re ärzt­li­che Ein­ord­nung

    Sie erhal­ten eine ver­ständ­li­che medi­zi­ni­sche Ein­schät­zung statt iso­lier­ter Befun­de. Wir erklä­ren, was rele­vant ist und wel­che Schrit­te sinn­voll sind.

  • Fes­te ärzt­li­che Beglei­tung

    Eine fes­te Ansprech­part­ne­rin beglei­tet Sie durch die gesam­te Abklä­rung und kennt Ihre Vor­ge­schich­te und Ergeb­nis­se.

  • Erwei­ter­te Unter­stüt­zung

    Auf Wunsch ergän­zen wir die medi­zi­ni­sche Abklä­rung durch Ernäh­rungs­be­ra­tung, natur­heil­kund­li­che Ansät­ze und psy­cho­lo­gi­sche Beglei­tung.

Single Mom mit Baby auf dem Arm nach künstlicher Befruchtung beim Kinderwunschzentrum in München

Häu­fi­ge Fra­gen zu den Ursa­chen der Unfrucht­bar­keit

Was sind die häu­figs­ten Ursa­chen für Unfrucht­bar­keit bei der Frau?

Bei Frau­en sind häu­fig Hor­mon­stö­run­gen, Erkran­kun­gen der Eilei­ter oder der Gebär­mut­ter sowie Endo­me­trio­se mög­li­che Ursa­chen. Auch ein aus­blei­ben­der Eisprung, früh­zei­ti­ge Wech­sel­jah­re oder Ver­än­de­run­gen der Eizell­qua­li­tät kön­nen die Frucht­bar­keit beein­träch­ti­gen.

Was sind die häu­figs­ten Ursa­chen für Unfrucht­bar­keit beim Mann?

Beim Mann liegt die Ursa­che oft in einer ein­ge­schränk­ten Sper­mi­en­qua­li­tät oder einem gestör­ten Sper­mi­en­trans­port. Auch Hor­mon­stö­run­gen, gene­ti­sche Fak­to­ren, Infek­tio­nen oder Umwelt- und Lebens­stil­fak­to­ren kön­nen eine Rol­le spie­len.

Wor­an erkennt man Unfrucht­bar­keit bei der Frau?

Unfrucht­bar­keit äußert sich bei Frau­en nicht immer durch kla­re Sym­pto­me. Hin­wei­se kön­nen Zyklus­stö­run­gen, aus­blei­ben­de Eisprün­ge oder eine Schwan­ger­schaft sein, die trotz regel­mä­ßi­gem Geschlechts­ver­kehr über län­ge­re Zeit nicht ein­tritt.

Wor­an erkennt man Unfrucht­bar­keit beim Mann?

Auch beim Mann gibt es oft kei­ne ein­deu­ti­gen Sym­pto­me. In der Regel wird eine ein­ge­schränk­te Frucht­bar­keit erst durch ein Sper­mio­gramm fest­ge­stellt, das Anzahl, Beweg­lich­keit und Form der Sper­mi­en unter­sucht.

Wel­che Rol­le spielt das Alter bei Unfrucht­bar­keit?

Mit zuneh­men­dem Alter nimmt vor allem bei Frau­en die Qua­li­tät der Eizel­len ab, wodurch die Wahr­schein­lich­keit einer Schwan­ger­schaft sinkt und das Fehl­ge­burts­ri­si­ko steigt. Auch beim Mann kann sich das Alter nega­tiv auf die Sper­mi­en­qua­li­tät aus­wir­ken, wenn auch meist weni­ger aus­ge­prägt.

Kann der Lebens­stil die Frucht­bar­keit beein­flus­sen?

Ja, Fak­to­ren wie Rau­chen, Alko­hol, star­kes Über- oder Unter­ge­wicht, Stress und Umwelt­gif­te kön­nen die Frucht­bar­keit bei Frau­en und Män­nern beein­träch­ti­gen. Nicht jeder Fak­tor wirkt bei jeder Per­son gleich, den­noch spie­len Lebens­stil­fak­to­ren eine wich­ti­ge Rol­le.

Wann soll­te ich abklä­ren las­sen, ob eine Frucht­bar­keits­stö­rung vor­liegt?

Wenn nach etwa zwölf Mona­ten regel­mä­ßi­gem unge­schütz­tem Geschlechts­ver­kehr kei­ne Schwan­ger­schaft ein­tritt, ist eine ärzt­li­che Abklä­rung sinn­voll. Bei Frau­en über 33 Jah­ren oder bei bekann­ten Zyklus- oder Vor­er­kran­kun­gen soll­te die Abklä­rung bereits frü­her erfol­gen.