Unse­re Repro­duk­ti­ons­me­di­zi­ne­rin Frau Dr. Mann plau­der­te im Welt-Inter­view aus dem Näh­käst­chen und erzähl­te, was die Repro­duk­ti­ons­me­di­zin eigent­lich leis­tet. Wir wol­len Ihnen auch an die­ser Stel­le nicht vor­ent­hal­ten, wo die Chan­cen und Gren­zen lie­gen und was wir im All­tag des Kin­der­wunsch­zen­trums erle­ben.

Was ist Repro­duk­ti­ons­me­di­zin genau?

Repro­duk­ti­ons­me­di­zin wird auch „Fort­pflan­zungs­me­di­zin“ genannt und beschäf­tigt sich mit der Dia­gnos­tik und der Behand­lung von Unfrucht­bar­keit. Unge­wollt kin­der­lo­se Paa­re erfah­ren also, war­um der Nach­wuchs bis­lang auf sich war­ten ließ. Im Anschluss erhal­ten sie ein indi­vi­du­el­les Behand­lungs­kon­zept, um sich ihren Kin­der­wunsch doch noch zu erfül­len. „Das Schöns­te ist, wenn es bei Paa­ren, bei denen kaum mehr Hoff­nung besteht, doch noch klappt. Ein Paar hat sechs Jah­re lang ver­sucht, schwan­ger zu wer­den. Sie kom­men jetzt für ihr zwei­tes Kind“, erzählt Frau Dr. Mann.

Dabei sind repro­duk­ti­ons­me­di­zi­ni­sche Behand­lun­gen nicht nur auf die künst­li­che Befruch­tung beschränkt. Manch­mal ist kei­ne The­ra­pie not­wen­dig und es reicht aus, den Zyklus zu beob­ach­ten oder die Sper­mi­en zur rich­ti­gen Zeit mit etwas Nach­hil­fe in die Gebär­mut­ter zu spü­len.

„Die Repro­duk­ti­ons­me­di­zin hat mich früh fas­zi­niert, da sie neben der Medi­zin auch vie­le psy­cho­lo­gi­sche, ethi­sche und gesell­schaft­li­che Fra­gen auf­wirft“, so Frau Dr. Mann. Hier wird deut­lich: Das Fach­ge­biet umfasst viel mehr als nur repro­duk­ti­ons­me­di­zi­ni­sche Tech­ni­ken, die Ei und Samen­zel­le zusam­men­brin­gen.

Corinna Mann Leitung Kinderwunschärztin München

Was machen Repro­duk­ti­ons­me­di­zi­ner?

Wir legen viel Wert dar­auf, die genaue Geschich­te der Paa­re zu ver­ste­hen. Ein­mal hat­te ich ein Paar, Anfang 30, das sich seit Jah­ren ein Kind wünsch­te. Erst im Gespräch stell­te sich her­aus, dass sie noch nie rich­tig Ver­kehr hat­ten, weil die Frau unter Vagi­nis­mus lei­det, bei dem die gan­ze Becken­bo­den­mus­ku­la­tur ver­krampft. Um über so Inti­mes zu spre­chen, braucht es Ver­trau­en. Als wir Bescheid wuss­ten, konn­ten wir die Sper­mi­en des Man­nes in die Gebär­mut­ter ein­spü­len, beim zwei­ten Ver­such wur­de sie schwan­ger“, erzählt Frau Dr. Mann.

In der Repro­duk­ti­ons­me­di­zin geht es um sen­si­ble The­men, die von den Paa­ren einer­seits Offen­heit ver­lan­gen, von den Ärz­ten auf der ande­ren Sei­te viel Empa­thie und Fin­ger­spit­zen­ge­fühl. Kommt bei­des zusam­men, ist es oft­mals mög­lich, die unge­woll­te Kin­der­lo­sig­keit mit der pas­sen­den The­ra­pie zu been­den.

Über­sicht: Metho­den der Repro­duk­ti­ons­me­di­zin

  • Zyklus­mo­ni­to­ring

    Wird der Zyklus über­wacht, kön­nen Frau­en ihre frucht­ba­ren Tage bes­ser nut­zen, um mit dem Part­ner ein Kind zu zeu­gen.

    Mehr über Zyklus­mo­ni­to­ring

  • Hor­mo­nel­le Sti­mu­la­ti­on

    Mög­lichst gering dosier­te Hor­mo­ne lösen den Eisprung aus, damit das Paar das Kind auf natür­li­chem Weg emp­fan­gen kann.

    Über Hor­mo­nel­le Sti­mu­la­ti­on

  • Inse­mi­na­ti­on

    Hier wer­den die Samen­zel­len zum rich­ti­gen Zeit­punkt mit einem dün­nen, wei­chen Kathe­ter in die Gebär­mut­ter gespült.

    Ablauf der Inse­mi­na­ti­on

  • IVF/ICSI

    Ei und Samen­zel­le wer­den im Reagenz­glas zusam­men­ge­bracht. Bei der ICSI wird außer­dem das viel­ver­spre­chends­te Sper­mi­um aus­ge­wählt.

    Künst­li­che Befruch­tung

  • Samen­spen­de

    Bei voll­stän­di­ger Unfrucht­bar­keit des Man­nes, les­bi­schen Paa­ren oder Sin­gle­frau­en kann eine Samen­spen­de für Nach­wuchs sor­gen.

    Mehr zur Samen­spen­de

  • Social Free­zing

    Frau­en, die erst spä­ter ein Kind bekom­men möch­ten, kön­nen ihre Eizel­len vor­sorg­lich ein­frie­ren las­sen. Die­ses Ver­fah­ren ermög­licht es, die Frucht­bar­keit zu erhal­ten.

    Eizel­len ein­frie­ren

Fami­li­en­pla­nung im Wan­del

Die Gesell­schaft ändert sich – Frau­en leben selbst­be­stimm­ter und wol­len ihre Fami­li­en­pla­nung ent­spre­chend gestal­ten. Beson­ders Samen­spen­den und Social Free­zing wer­den immer häu­fi­ger nach­ge­fragt.

Frau Dr. Mann dazu: „Frau­en krie­gen immer spä­ter Kin­der, die Bio­lo­gie ist gleich­ge­blie­ben. Ich selbst habe vier Kin­der und weiß, wie schwie­rig es manch­mal ist, Beruf und Fami­lie zu ver­ein­ba­ren. Vie­len Frau­en fehlt zudem der rich­ti­ge Part­ner. Immer mehr Sin­gle­frau­en wol­len eine anony­me Samen­spen­de. Und Social Free­zing nimmt zu. Gera­de Frau­en, die im Beruf erfolg­reich sind, fällt es schwer zu akzep­tie­ren, dass die Natur begrenzt in ihrer Hand liegt.“

Wie wird man Repro­duk­ti­ons­me­di­zi­ner?

Zunächst ist ein rund sechs­jäh­ri­ges Medi­zin­stu­di­um not­wen­dig, dem sich eine fünf­jäh­ri­ge Fach­arzt-Wei­ter­bil­dung in der Gynä­ko­lo­gie und Geburts­hil­fe anschließt. Dar­auf folgt eine drei­jäh­ri­ge Voll­zeit-Wei­ter­bil­dung im Bereich „gynä­ko­lo­gi­sche Endo­kri­no­lo­gie und Repro­duk­ti­ons­me­di­zin“. Ins­ge­samt dau­ert es also 14 Jah­re, bis Fach­ärz­te auf dem Gebiet der Repro­duk­ti­ons­me­di­zin genug Know-how auf­ge­baut haben, um als „Repro­duk­ti­ons­arzt“ tätig zu wer­den.

Was macht gute Kin­der­wunsch-Spe­zia­lis­ten aus?

Die­se Fra­ge ist natür­lich schwer zu beant­wor­ten, auch weil die Ant­wor­ten sub­jek­tiv aus­fal­len dürf­ten. Es gibt also nicht die eine „bes­te Repro­duk­ti­ons­me­di­zin“ oder das eine „bes­te Kin­der­wunsch­zen­trum“ in Deutsch­land.

Beratung zur Kinderwunsch-Behandlung im Münchner Kinderwunschzentrum Dr. Corinna Mann

Was wir wich­tig fin­den und in unse­rem Pri­vat­zen­trum ‘Die Kin­der­wunsch­ärz­tin’ ent­spre­chend umset­zen:

  • per­sön­li­che Betreu­ung durch die­sel­be Ärz­tin
  • Zeit für Gesprä­che in ruhi­ger Atmo­sphä­re
  • gute Erreich­bar durch fle­xi­ble Ter­min­ver­ein­ba­rung
  • Ange­bot sämt­li­cher Behand­lungs­mög­lich­kei­ten der Repro­duk­ti­ons­me­di­zin
  • per­ma­nen­te Fort­bil­dung, Ein­hal­tung wis­sen­schaft­li­cher Stan­dards und Inte­gra­ti­on neu­er Erkennt­nis­se in den All­tag des Kin­der­wunsch­zen­trums

Dane­ben gibt es natür­lich vie­le wei­te­re Kri­te­ri­en, die eine Rol­le spie­len kön­nen. Am Ende ist aller­dings auch wich­tig, dass die Pati­en­tin­nen ein gutes Gefühl haben und sich gut auf­ge­ho­ben füh­len.

Offe­ne Fra­gen der Repro­duk­ti­ons­me­di­zin

Ein Blick in die Geschich­te zeigt: Die Repro­duk­ti­ons­me­di­zin begann mit der Geburt von Loui­se Brown 1978, dem ers­ten Kind, das im Rah­men einer künst­li­chen Befruch­tung gezeugt wur­de. Damals wie heu­te gibt es eini­ge offe­ne Fra­gen rund um die assis­tier­te Repro­duk­ti­ons­me­di­zin.

„Schlimm fin­de ich, wie stark in Deutsch­land die Geset­ze hin­ter­her­hin­ken. Laut Embryo­nen­schutz­ge­setz dür­fen wir bei einer künst­li­chen Befruch­tung die Embryo­nen nur in bestimm­ten Fäl­len und auch nur nach einem Geneh­mi­gungs­pro­zess durch eine Ethik­kom­mis­si­on gene­tisch unter­su­chen, bevor sie ein­ge­setzt wer­den. Die­se frü­he Unter­su­chung könn­te vie­le Fehl­ge­bur­ten und Abtrei­bun­gen ver­mei­den und den Frau­en viel Leid erspa­ren“, erklärt Frau Dr. Mann. Aber nicht nur im Rah­men der Prä­im­plan­ta­ti­ons­dia­gnos­tik wird hef­tig über Pro- und Con­tra-Argu­men­te dis­ku­tiert. In der Repro­duk­ti­ons­me­di­zin gibt es eini­ge wei­te­re Fra­gen, die die Ethik betref­fen und einer Klä­rung bedür­fen.

Eine wei­te­re Bau­stel­le ist die Behand­lung les­bi­scher Paa­re. Denn längst nicht jede Kin­der­wunsch-Kli­nik nimmt sie auf. Es wäre durch­aus wün­schens­wert, wenn es les­bi­schen Paa­ren ein­fa­cher gemacht wer­den wür­de, eben­falls Nach­wuchs zu bekom­men. Die Richt­li­ni­en, die es aktu­ell gibt, sind weder ein­deu­tig noch ein­heit­lich. Sie gel­ten nur auf Län­der­ebe­ne – man­che erlau­ben les­bi­schen Paa­ren die Kin­der­wunsch­be­hand­lung, ande­re äußern sich nicht dazu oder unter­sa­gen sie sogar. Und das im 21. Jahr­hun­dert. Unser Kin­der­wunsch­zen­trum jeden­falls ist offen für les­bi­sche Paa­re.