Regen­bo­gen­fa­mi­li­en sind bunt und viel­schich­tig. Wie wer­den les­bi­sche oder schwu­le Paa­re zu Regen­bo­gen­el­tern? Wie vie­le sol­cher Fami­li­en gibt es in Deutsch­land und wie leben sie? Wir wer­fen einen Blick auf häu­fi­ge Fra­gen und erklä­ren, wie der Traum vom eige­nen Kind wahr wer­den kann.

Was ist eine Regen­bo­gen­fa­mi­lie?

Regen­bo­gen­fa­mi­li­en sind Fami­li­en, in denen gleich­ge­schlecht­li­che Paa­re oder Eltern­tei­le mit les­bi­scher, homo­se­xu­el­ler, bi- oder trans­se­xu­el­ler Iden­ti­tät ein eige­nes oder adop­tier­tes Kind groß­zie­hen. Die häu­figs­te Form einer Regen­bo­gen­fa­mi­lie ent­steht aus einer vor­an­ge­gan­ge­nen hete­ro­se­xu­el­len Bezie­hung, wenn ein Part­ner spä­ter erkennt, dass er les­bisch oder schwul ist, und sich outet. Gleich­zei­tig ent­schei­den sich immer mehr gleich­ge­schlecht­li­che Paa­re bewusst und selbst­be­wusst für die Grün­dung einer Fami­lie, etwa durch künst­li­che Befruch­tung oder Adop­ti­on. Die Mög­lich­keit zur Ehe­schlie­ßung für Regen­bo­gen­paa­re hat die Fami­li­en­grün­dung zusätz­lich erleich­tert.

Der Begriff „Regen­bo­gen­fa­mi­lie“ lei­tet sich von der Regen­bo­gen­flag­ge ab, die als Sym­bol für die LGBTQ+-Community steht und Viel­falt sowie Akzep­tanz reprä­sen­tiert. Sta­tis­tisch gese­hen gibt es laut der Bun­des­zen­tra­le für poli­ti­sche Bil­dung in Deutsch­land rund 9.500 gleich­ge­schlecht­li­che Paa­re mit min­des­tens einem Kind. Ins­ge­samt leben etwa 14.000 Kin­der in Regen­bo­gen­fa­mi­li­en, wobei die Zahl ste­tig wächst, da die gesell­schaft­li­che Akzep­tanz eben­so wie die recht­li­chen Mög­lich­kei­ten zuneh­men.

Wie kön­nen gleich­ge­schlecht­li­che Paa­re ihren Kin­der­wunsch erfül­len?

Mit der Ein­füh­rung der „Ehe für alle“ haben les­bi­sche und schwu­le Paa­re deut­lich mehr Mög­lich­kei­ten als frü­her, sich ihren Traum vom Wunsch­kind zu erfül­len. Von der künst­li­chen Befruch­tung bis zur Adop­ti­on gibt es ver­schie­de­ne Optio­nen.

Künst­li­che Befruch­tung

Die künst­li­che Befruch­tung ist eine Opti­on für Les­ben mit Kin­der­wunsch, die sich für eine ein­ge­tra­ge­ne Lebens­part­ner­schaft oder eine Ehe ent­schie­den haben. Dabei kom­men Spen­der­sa­men zum Ein­satz, die von einer Samen­bank stam­men. Für die Samen­spen­de wer­den nur Män­ner zuge­las­sen, die stren­ge gesund­heit­li­che Vor­ga­ben erfül­len.

Es gibt zwei Ver­fah­ren, die für die künst­li­che Befruch­tung infra­ge kom­men. Bei der Inse­mi­na­ti­on wer­den die Spen­der­sa­men durch einen dün­nen, wei­chen Kathe­ter in die Gebär­mut­ter­höh­le gespült. Dort nimmt die Befruch­tung ihren natür­li­chen Lauf. Hel­fen kann eine hor­mo­nel­le Sti­mu­la­ti­on, falls Zyklus­stö­run­gen die Behand­lung erschwe­ren.

Nach meh­re­ren erfolg­lo­sen Inse­mi­na­tio­nen oder bei ver­schlos­se­nen Eilei­tern kommt eine IVF infra­ge. Dabei wer­den Eizel­le und Samen im Labor zusam­men­ge­bracht. Die befruch­te­te Eizel­le wird schließ­lich in die Gebär­mut­ter ein­ge­setzt.

Wir bera­ten les­bi­sche Paa­re ger­ne in unse­rem pri­va­ten Kin­der­wunsch­zen­trum ‘Die Kin­der­wunsch­ärz­tin’ in Mün­chen und füh­ren ent­spre­chen­de Behand­lun­gen durch. Unse­re Kin­der­wunsch­ärz­tin Frau Dr. Mann nimmt sich ger­ne Zeit, alle Fra­gen in Ruhe von Frau zu Frau zu bespre­chen.

kinderwunsch lesbisch

Stief­kind-Adop­ti­on

Wenn ein Part­ner ein Kind aus einer frü­he­ren hete­ro­se­xu­el­len Bezie­hung mit in die Fami­lie bringt, kann es der ande­re Part­ner adop­tie­ren. Die Vor­aus­set­zung ist, dass der bio­lo­gi­sche Vater oder die bio­lo­gi­sche Mut­ter das Kind zur Adop­ti­on frei­gibt. Nach der Adop­ti­on haben bei­de Part­ner das gemein­sa­me Sor­ge­recht. Es bleibt auch nach einem mög­li­chen Ende der Ehe bestehen.

Adop­ti­on

Seit 2017 dür­fen gleich­ge­schlecht­li­che Paa­re gemein­sam ein frem­des Kind adop­tie­ren und so eine Regen­bo­gen­fa­mi­lie grün­den. Aller­dings gibt es in Deutsch­land nicht vie­le Kin­der, die dafür infra­ge kom­men. Auf ein Kind, das adop­tiert wer­den kann, kom­men sechs poten­ti­el­le Adop­tiv­el­tern.

Pfle­ge­kind

Regen­bo­gen­el­tern, die nicht hei­ra­ten wol­len und sich auch gegen eine ein­ge­tra­ge­ne Lebens­part­ner­schaft ent­schie­den haben, kön­nen den­noch ein Pfle­ge­kind auf­neh­men. Wich­tig ist zu wis­sen, dass ein Pfle­ge­kind immer zwei Fami­li­en hat: sei­ne bio­lo­gi­sche und sei­ne sozia­le. Aller­dings blei­ben 97 % der Pfle­ge­kin­der in ihrer Pfle­ge­fa­mi­lie, bis sie erwach­sen wer­den.

In wel­chen Län­dern dür­fen Homo­se­xu­el­le Kin­der adop­tie­ren?

Ent­spre­chen­de Adop­tio­nen sind in vie­len euro­päi­schen Län­dern erlaubt, nicht nur in Deutsch­land. Frank­reich, Groß­bri­tan­ni­en, Spa­ni­en, Schwe­den und Nor­we­gen ermög­li­chen es gleich­ge­schlecht­li­chen Paa­ren eben­falls, Kin­der zu adop­tie­ren. In Ita­li­en und vie­len ost­eu­ro­päi­schen Län­dern sieht die Lage anders aus: In Tsche­chi­en, Kroa­ti­en, Polen und Ungarn ist schwu­len und les­bi­schen Paa­re die Adop­ti­on ver­bo­ten. Ähn­lich sieht es in Afri­ka und Asi­en aus. Libe­ra­ler sind die USA, Aus­tra­li­en und Tei­le Süd­ame­ri­kas.

Wel­chen Vor­ur­tei­len sind Regen­bo­gen­fa­mi­li­en aus­ge­setzt?

Kri­ti­ker mei­nen oft, dass ein Kind sowohl eine Mut­ter als auch einen Vater bräuch­te, um opti­mal auf­wach­sen zu kön­nen. Aus wis­sen­schaft­li­cher Sicht ist die­se The­se jedoch nicht halt­bar: Laut einer Meta-Ana­ly­se der Uni­ver­si­ty of Colo­ra­do und der Uni­ver­si­ty of Ore­gon haben Kin­der kei­ne wesent­li­chen Nach­tei­le, wenn sie mit gleich­ge­schlecht­li­chen Eltern auf­wach­sen.

Für Kin­der ist es am wich­tigs­ten, dass sie in einem lie­be­vol­len Umfeld groß wer­den. Die Bezie­hungs­qua­li­tät inner­halb der Regen­bo­gen­fa­mi­lie spielt eine weit­aus grö­ße­re Rol­le als das Geschlecht der Eltern.

Gibt es Vor- und Nach­tei­le von Regen­bo­gen­fa­mi­li­en?

Für die meis­ten LGBT-Fami­li­en ist ihr Nach­wuchs ein abso­lu­tes Wunsch­kind. Das Paar berei­tet sich gründ­lich auf die Geburt oder die Adop­ti­on vor und schafft dadurch wich­ti­ge Vor­aus­set­zun­gen für einen guten Start des gemein­sa­men Fami­li­en­le­bens. Posi­tiv aus­wir­ken kann sich auch die ega­li­tä­re Rol­len­ver­tei­lung: Vie­le Les­ben füh­len sich mit dem Gedan­ken wohl, die Kin­der­er­zie­hung 100-pro­zen­tig gleich­be­rech­tigt tei­len zu kön­nen.

Stu­di­en zufol­ge sind Kin­der aus Regen­bo­gen­fa­mi­li­en nicht häu­fi­ger Dis­kri­mi­nie­run­gen aus­ge­setzt als ande­re. Zwar wer­den ent­spre­chen­de Kin­der von Gleich­alt­ri­gen häu­fig auch als „les­bisch“ oder „schwul“ bezeich­net, aber ein sta­bi­les sozia­les Umfeld scheint die­se Hän­se­lei­en aus­zu­glei­chen. Eine har­mo­ni­sche Fami­lie, sta­bi­le Freund­schaf­ten und eine enge Ver­net­zung inner­halb der LGBT-Com­mu­ni­ty fal­len offen­bar mehr ins Gewicht.

Häu­fi­ge Fra­gen von Regen­bo­gen­fa­mi­li­en

Wel­che recht­li­chen Her­aus­for­de­run­gen kön­nen Regen­bo­gen­fa­mi­li­en begeg­nen?

Regen­bo­gen­fa­mi­li­en sehen sich oft mit kom­pli­zier­ten recht­li­chen Vor­ga­ben kon­fron­tiert, beson­ders bei Adop­tio­nen oder der Absi­che­rung des nicht-bio­lo­gi­schen Eltern­teils. Es ist rat­sam, sich früh­zei­tig recht­lich bera­ten zu las­sen, um sicher­zu­stel­len, dass bei­de Eltern­tei­le eine sta­bi­le recht­li­che Grund­la­ge haben.

Gibt es Unter­stüt­zung für Regen­bo­gen­fa­mi­li­en in Deutsch­land?

Ja, es gibt zahl­rei­che Orga­ni­sa­tio­nen und Netz­wer­ke, die Regen­bo­gen­fa­mi­li­en unter­stüt­zen. Dazu gehö­ren Bera­tungs­stel­len wie das LSVD (Les­ben- und Schwu­len­ver­band Deutsch­land) oder spe­zia­li­sier­te Kin­der­wunsch­zen­tren, die gleich­ge­schlecht­li­che Paa­re auf ihrem Weg zur Fami­lie beglei­ten.

Wie erle­ben Kin­der das Auf­wach­sen in einer Regen­bo­gen­fa­mi­lie?

Stu­di­en zei­gen, dass Kin­der in Regen­bo­gen­fa­mi­li­en genau­so glück­lich und gut ent­wi­ckelt sind wie Kin­der in ande­ren Fami­li­en. Ent­schei­dend ist, dass sie in einem lie­be­vol­len und sta­bi­len Umfeld auf­wach­sen. Wich­tig ist jedoch, dass Eltern Kin­der früh­zei­tig auf mög­li­che Fra­gen oder Hän­se­lei­en vor­be­rei­ten, um ihr Selbst­be­wusst­sein zu stär­ken.

Wie kann ich mein Kind vor Dis­kri­mi­nie­rung schüt­zen?

Ein sta­bi­les sozia­les Umfeld, enge Freund­schaf­ten und eine offe­ne Kom­mu­ni­ka­ti­on inner­halb der Fami­lie sind ent­schei­dend, um Kin­dern Selbst­be­wusst­sein zu geben. Vie­le Regen­bo­gen­fa­mi­li­en ver­net­zen sich inner­halb der LGBTQ+-Community, um Kin­dern zusätz­li­che Unter­stüt­zung zu bie­ten.