Rund 5 bis 15 Pro­zent der Frau­en im frucht­ba­ren Alter haben Endo­me­trio­se. Die Dia­gno­se trifft beson­ders Frau­en, die sich noch ihren Kin­der­wunsch erfül­len möch­ten. Unse­re Kin­der­wunsch­ärz­tin Frau Dr. Mann beant­wor­tet im fol­gen­den Text häu­fi­ge Fra­gen betrof­fe­ner Frau­en.

Endo­me­trio­se und Kin­der­wunsch: Das Wich­tigs­te in Kür­ze

Bei Endo­me­trio­se wächst Gewe­be der Gebär­mut­ter zum Bei­spiel in den Bauch­raum oder in die Eier­stö­cke. Mög­li­che Fol­gen sind Ver­wach­sun­gen und Ent­zün­dun­gen. Aber es kön­nen auch gar kei­ne Sym­pto­me auf­tre­ten.

Frau­en mit Endo­me­trio­se kön­nen grund­sätz­lich schwan­ger wer­den, ihre Frucht­bar­keit ist jedoch um 50 Pro­zent ver­rin­gert. Mit etwas Geduld oder einer Kin­der­wunsch­be­hand­lung kön­nen sich vie­le schließ­lich doch ihren Kin­der­wunsch erfül­len.

Die Pati­en­tin­nen haben ein grö­ße­res Risi­ko für Kom­pli­ka­tio­nen wäh­rend der Schwan­ger­schaft. Das Risi­ko für eine Fehl­ge­burt ist um 75 Pro­zent erhöht.

Wächst das Gewe­be aus der Gebär­mut­ter­schleim­haut in die Gebär­mut­ter­wand ein, spricht man von einer Ade­no­myo­se. Hier ist die Frucht­bar­keit zwar noch wei­ter ein­ge­schränkt, aber auch die­se Frau­en kön­nen grund­sätz­lich schwan­ger wer­den.

Kann man trotz Endo­me­trio­se schwan­ger wer­den?

Vie­le Endo­me­trio­se-Pati­en­tin­nen befürch­ten, dass sich ihr Kin­der­wunsch nicht erfül­len wird. Zwar sind Endo­me­trio­se-Pati­en­tin­nen häu­fi­ger unfrucht­bar als der Durch­schnitt, aber vie­le Frau­en wer­den trotz der Erkran­kung schwan­ger. Von Unfrucht­bar­keit spricht man erst, wenn 12 Mona­te lang trotz regel­mä­ßi­gem unge­schütz­ten Geschlechts­ver­kehr kei­ne Schwan­ger­schaft ein­tritt.

Wie hoch ist die Chan­ce, mit Endo­me­trio­se schwan­ger zu wer­den?

Bei einer Frau mit Endo­me­trio­se ver­rin­gert sich die Frucht­bar­keit etwa um die Hälf­te. Laut Sta­tis­tik bedeu­tet das für den Kin­der­wunsch: Bei einer 22- bis 23-jäh­ri­gen Endo­me­trio­se-Pati­en­tin beträgt die Wahr­schein­lich­keit, schwan­ger zu wer­den, 12,5 bis 15 Pro­zent. Bei einer gesun­den Frau die­ser Alters­klas­se sind es 25 bis 30 Pro­zent.

12,5 bis 15 Pro­zent beträgt in etwa die Schwan­ger­schafts­ra­te einer gesun­den 35-Jäh­ri­gen. Eine 35-Jäh­ri­ge mit Endo­me­trio­se wie­der­um hat pro Zyklus eine Wahr­schein­lich­keit von 6,25 bis 7,5 Pro­zent, schwan­ger zu wer­den. Bei einer gesun­den Über-40-Jäh­ri­gen beträgt die Schwan­ger­schafts­ra­te pro Zyklus 5 bis 8 Pro­zent, mit Endo­me­trio­se ver­rin­gert sich die Wahr­schein­lich­keit auf 2,5 bis 4 Pro­zent.

War­um kann Endo­me­trio­se die Frucht­bar­keit beein­träch­ti­gen?

Bei Frau­en mit der Dia­gno­se „Endo­me­trio­se“ wächst gebär­mut­ter­schleim­haut­ähn­li­ches Gewe­be außer­halb der Gebär­mut­ter, zum Bei­spiel im Bauch­raum oder im Eier­stock. Die Endo­me­trio­se­her­de sind zwar gut­ar­tig, kön­nen aber star­ke Schmer­zen, Ent­zün­dun­gen, Zys­ten und Ver­wach­sun­gen aus­lö­sen. Sie kön­nen ein mecha­ni­sches Hin­der­nis für den Ein­tritt einer Schwan­ger­schaft dar­stel­len. Auch Frau­en mit mil­dem Endo­me­trio­se-Ver­lauf und weni­gen Ver­kle­bun­gen kön­nen unfrucht­bar sein. War­um das so ist, ist bis­lang unklar. Eine mög­li­che Erklä­rung sind Ent­zün­dungs­pro­zes­se im Bauch­raum, die die Eizell­qua­li­tät beein­träch­ti­gen kön­nen. Häu­fig ist außer­dem die Eizell­re­ser­ve ver­rin­gert. Das bedeu­tet: Betrof­fe­ne Frau­en haben weni­ger Eizel­len und kom­men schnel­ler in die Wech­sel­jah­re.

Die Grö­ße der Wuche­run­gen sagt übri­gens nicht zwangs­läu­fig etwas über die Frucht­bar­keit der Betrof­fe­nen aus. Bereits klei­ne Endo­me­trio­se­her­de kön­nen zu Unfrucht­bar­keit füh­ren, wäh­rend auch gro­ße Ver­kle­bun­gen sym­ptom­los blei­ben kön­nen. Endo­me­trio­se kann zu Unfrucht­bar­keit füh­ren, ist aber nicht damit gleich­zu­set­zen.

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Was kön­nen Endo­me­trio­se-Pati­en­tin­nen tun, um ihren Kin­der­wunsch zu erfül­len?

1. Arzt auf­su­chen

Es ist sinn­voll, sich für die wei­te­re Abklä­rung der Dia­gno­se sofort an ein Kin­der­wunsch­zen­trum zu wen­den. Dort wird geklärt, ob die Endo­me­trio­se wirk­lich der Grund für die Unfrucht­bar­keit ist, was nicht immer der Fall sein muss. Außer­dem ist es mög­lich, dass die Endo­me­trio­se nur ein Frucht­bar­keits­hemm­nis von vie­len ist. Zusätz­lich mög­lich wären etwa ein ver­än­der­ter Hor­mon­haus­halt und eine ein­ge­schränk­te Sper­mi­en­qua­li­tät des Man­nes. Tat­säch­lich tre­ten häu­fig meh­re­re Fak­to­ren gleich­zei­tig auf. So ist bei einem Drit­tel der Paa­re mit uner­füll­tem Kin­der­wunsch die Frucht­bar­keit bei­der Part­ner ein­ge­schränkt. Je mehr Fak­to­ren zusam­men­kom­men und des­to unwahr­schein­li­cher eine Schwan­ger­schaft auf natür­li­chem Wege ist, des­to schnel­ler soll­te die The­ra­pie begin­nen. Gera­de über 35-jähi­ge Endo­me­trio­se-Pati­en­tin­nen soll­ten kei­ne wert­vol­le Zeit ver­lie­ren, nimmt die Frucht­bar­keit doch mit zuneh­men­den Alter immer wei­ter ab.

2. Zyklus beob­ach­ten oder Behand­lung begin­nen

Gera­de bei jün­ge­ren Pati­en­tin­nen muss es nicht gleich eine umfas­sen­de The­ra­pie mit künst­li­cher Befruch­tung sein. Je nach Aus­gangs­la­ge kann es rei­chen, erst ein­mal den Zyklus zu beob­ach­ten. Die Iden­ti­fi­ka­ti­on der frucht­ba­ren Tage und zeit­lich güns­ti­ger Geschlechts­ver­kehr erhö­hen die Chan­cen auf eine Schwan­ger­schaft auf natür­li­chem Weg.

Bei älte­ren Pati­en­tin­nen gilt es, mög­lichst wenig Zeit zu ver­lie­ren. Hier raten wir schnel­ler zu einer The­ra­pie wie der IVF. Das­sel­be gilt auch für Frau­en, deren Eilei­ter nicht mehr durch­läs­sig sind. Ist der Weg zwi­schen Eier­stö­cken und Gebär­mut­ter ver­baut, ist eine künst­li­che Befruch­tung die ein­zi­ge Mög­lich­keit, doch noch eine Schwan­ger­schaft her­bei­zu­füh­ren. Über die Kos­ten der künst­li­chen Befruch­tung kön­nen sich Endo­me­trio­se-Pati­en­tin­nen hier infor­mie­ren.

Übri­gens ist die Ein­nis­tung der Eizel­le bei meis­ten Pati­en­tin­nen kein Pro­blem. Das legt eine Stu­die nahe, die mit Eizell­spen­de­rin­nen durch­ge­führt wur­de. Wur­den die Eizel­len gesun­der Frau­en Endo­me­trio­se-Pati­en­tin­nen mit uner­füll­tem Kin­der­wunsch ein­ge­pflanzt, ver­schlech­ter­te sich die Wahr­schein­lich­keit einer Ein­nis­tung nicht. Ganz anders waren die Ergeb­nis­se, wenn die Spen­de­rin Endo­me­trio­se hat­te und die Emp­fän­ge­rin nicht. In die­sem Fall war die Ein­nis­tung der Eizel­len deut­lich schlech­ter. Das zeigt: Die Qua­li­tät der Eizel­le ist bei Endo­me­trio­se-Pati­en­tin­nen ein Pro­blem, aber nicht die Ein­nis­tung in der Gebär­mut­ter.

3. Gesund leben: Ernäh­rungs­tipps & Haus­mit­tel für Endo­me­trio­se-Pati­en­tin­nen mit Kin­der­wunsch

Ver­schie­de­ne Nähr­stof­fe ste­hen gera­de in der Dis­kus­si­on, sich mög­li­cher­wei­se posi­tiv auf die Eizell­qua­li­tät aus­zu­wir­ken. Dazu gehö­ren Vit­amin D, Coen­zym 10 und Fol­säu­re. Tat­säch­lich haben wir in unse­rem Kin­der­wunsch­zen­trum ähn­li­che Erfah­run­gen gemacht: Wenn wir meh­re­re IVF-Behand­lun­gen bei einer Endo­me­trio­se-Pati­en­tin durch­füh­ren, die zwi­schen­zeit­lich ihre Nähr­stoff­ver­sor­gung anpasst, sehen wir manch­mal Ver­bes­se­run­gen. Es könn­te sich also loh­nen, sei­ne Ernäh­rung vor der Schwan­ger­schaft zu opti­mie­ren. Sinn­voll ist auch, das Rau­chen auf­zu­hö­ren, da sich Tabak­kon­sum nega­tiv auf die Eizell­re­ser­ve aus­wirkt. Ver­mei­den Sie außer­dem Unter- und Über­ge­wicht, las­sen Sie All­ge­mein­erkran­kun­gen behan­deln und trei­ben Sie regel­mä­ßig Sport. All das trägt dazu bei, fit für die Schwan­ger­schaft zu wer­den.

Wie vie­le Frau­en wer­den nach der Endo­me­trio­se-OP schwan­ger?

Die­ser Fra­ge ging eine Stu­die aus Frank­reich nach, bei der 55 Pati­en­tin­nen mit tief sit­zen­den Endo­me­trio­se­her­den teil­nah­men. Sie waren alle im sel­ben Alter und waren beim sel­ben Arzt in Behand­lung. 36 von ihnen wünsch­ten sich ein Kind. Tat­säch­lich kam es zu 29 Gebur­ten in den nächs­ten Jah­ren. Selbst bei 74 Pro­zent der Frau­en klapp­te es, die zuvor min­des­tens ein Jahr lang ver­geb­lich ver­sucht hat­ten, schwan­ger zu wer­den. Etwa bei der Hälf­te trat die Schwan­ger­schaft auf natür­li­chem Weg ein, bei der ande­ren infol­ge einer Kin­der­wunsch­be­hand­lung. Jun­ges Alter, Nor­mal­ge­wicht und ein gerin­ger Schwe­re­grad der Endo­me­trio­se begüns­ti­gen den Ein­tritt der Schwan­ger­schaft, so eine wei­te­re Stu­die.

Haben Frau­en mit Endo­me­trio­se ein höhe­res Risi­ko für Kom­pli­ka­tio­nen wäh­rend der Schwan­ger­schaft?

Betrof­fe­ne brin­gen laut einer Stu­die häu­fi­ger klei­ne und unter­ge­wich­ti­ge Kin­der auf die Welt. Die Neu­ge­bo­ren kom­men außer­dem öfter zu früh. Außer­dem haben die Pati­en­tin­nen einer gro­ßen Stu­die zufol­ge ein 75 Pro­zent höhe­res Fehl­ge­bur­ten­ri­si­ko. Das Risi­ko für eine Schwan­ger­schaft außer­halb der Gebär­mut­ter war drei­mal so hoch wie bei Frau­en ohne Endo­me­trio­se. Die Ursa­che für die­se Kom­pli­ka­tio­nen könn­ten Ent­zün­dun­gen im Bauch­raum und Ver­än­de­run­gen der Gebär­mut­ter sein.

Schwangere Frau nach erfolgreicher PICSI Behandlung

Was kön­nen Frau­en mit Ade­no­myo­se und Kin­der­wunsch tun?

Bei einer Ade­no­myo­se han­delt es sich qua­si um eine Endo­me­trio­se in der Gebär­mut­ter­wand. Hier wächst Gewe­be aus der Gebär­mut­ter­schleim­haut in das Mus­kel­ge­we­be der Gebär­mut­ter ein. Die Ein­nis­tung der Eizel­le ist nun deut­lich erschwert. Ohne Ade­no­myo­se beträgt die Wahr­schein­lich­keit der Ein­nis­tung 40 Pro­zent, mit Ade­no­myo­se nur 20. Den­noch haben auch die betrof­fe­nen Frau­en eine Chan­ce, schwan­ger zu wer­den.

Eine Ope­ra­ti­on ist in der Regel nicht mög­lich, da es sich meist um dif­fus wach­sen­des Gewe­be han­delt, das schwer zu ent­fer­nen ist. Außer­dem besteht das Risi­ko, die Gebär­mut­ter bei der OP zu ver­let­zen. Nur in Ein­zel­fäl­len, wenn ein gut abgrenz­ba­rer ein­zel­ner Herd ent­fernt wer­den muss, macht eine Ope­ra­ti­on Sinn.

Eine Hor­mon­the­ra­pie ist even­tu­ell eine Alter­na­ti­ve. Sie kann das Ade­nom womög­lich ver­klei­nern, was wie­der­um die Chan­cen auf eine Schwan­ger­schaft erhö­hen könn­te.

Ist die Schwan­ger­schaft schließ­lich ein­ge­tre­ten, ist die Fehl­ge­bur­ten­ra­te signi­fi­kant höher als bei gesun­den Frau­en. Betrof­fe­ne soll­ten sich daher beson­ders an die Hand­lungs­emp­feh­lun­gen hal­ten, die allen Schwan­ge­ren ans Herz gelegt wer­den.

Dazu gehört etwa:

  • das Rau­chen ein­stel­len
  • Kaf­fee­kon­sum auf zwei Tas­sen pro Tag redu­zie­ren
  • mög­lichst auf Alko­hol ver­zich­ten
  • regel­mä­ßig zu den Vor­sor­ge­un­ter­su­chun­gen gehen

Das Fehl­ge­burts­ri­si­ko lässt sich so zumin­dest etwas redu­zie­ren. Auch wenn Frau­en mit Endo­me­trio­se oder Ade­no­myo­se in der Kin­der­wunsch­zeit vor Her­aus­for­de­run­gen ste­hen, möch­ten wir allen Betrof­fe­nen Mut zuspre­chen. Man­che wer­den auf natür­li­chem Weg schwan­ger, ande­re mit fach­ärzt­li­cher Hil­fe. Zögern Sie nicht, sich Hil­fe zu holen, und blei­ben Sie am Ball!